Leseprobe zu „Diary of a poet“

Hier ist der Anfang meines Erstlingswerk „Diary of a poet“ als Leseprobe zu finden.
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und freue mich über jegliche Rückmeldungen!

 

 

Der Funke (der uns Künstler treibt)

Der Funke der uns Künstler treibt
Der jegliches Denken weit übersteigt
Glut, die im Herzen heranwächst
Bis der Funken irgendwann überspringt
Und alles zum Leuchten und Lodern bringt

Der Funke, der beseelt
Und seine Bedeutung niemals verfehlt
Für jeden anders
Doch immerzu sehr tief berührt
Nimm dir deine Freiheit der Interpretation
Denn für jeden ist er höchste Inspiration

Der Funke, der uns nachts aus dem Bett holt
Weil er sonst in die wundervolle Weite der Nacht zu entfliehen droht

Der Funke, der Herz über Kopf stellt
Alles umwirft und in Frage stellt
Die Welt von neuem mit Wahrheit und Magie erhellt

Er ist das Herz mit dem ich denke
Und der Verstand mit dem ich zu fühlen gedenke
Der Funke, der mein Herz und meinen Geist niemals verlässt
Der einen Gespenster und wundervolle Märchen,
endloses Potential in allem erkennen lässt
Bis man alles vergisst, sich vollkommen hingibt und fallen lässt
Bis einen jede Logik und der Verstand verlässt
Und nichts mehr bleibt als Träume und Inspiration

Man nun die Entscheidung fasst
Alles ins Kleinste zu durchdringen und ergründen zu wollen
Und poetisch-ästhetisch aufs Papier zu bringen
Was sich nicht begreifen lässt
Und doch das Innerste erfasst
Der Hauch von Sehnsucht
Geküsst von Leidenschaft und Wehmut

Der Funken, der seinesgleichen im ganzen Universum sucht
Und sich doch vor den Augen und Herzen der meisten verbirgt

Wieso kriegen wir nie das zu fassen
Was unser Herz auszudrücken versucht?
Wer des Funkens Meister ist,
Dessen Streben des Herzens bestimmt er
Wessen Seele er gewinnt,
Das vermag allein der Funken und das Schicksal zu sagen
Und wessen Herz er einnimmt,
Der sei gesegnet mit einem göttlichen Geschenk aus der
Meisterhand,
Die all dies schuf, was nicht zu sehen ist

Kann der Funken gegen die Stürme des Lebens bestehen
Und irgendwann einmal zu einer mächtigen Flamme aufgehen?
Oder wird er im Meer der Unsicherheiten erlöschen,
Furcht ihm den Zunder und das heiße Glühen, das Sternenfunkeln zu nehmen

Der Funken, der alles für mich ist
Meine Art zu leben, zu atmen, zu schreiben, zu sein
Mein Geist und meine Inspiration in der höchsten Kunst

Der Funke, der uns beseelt und fordert
In allem steckt, was wir tun
Unser Herz mit Leidenschaft schlagen lässt
Lass ihn aufgehen zu einem Lodern
Dein Sein und deine Kunst zu verwandeln
Transformation der seelischen Glut, die immerzu in uns steckt
Damit die ganze Welt erfasst wird von dem Brennen
Das unsere Herzen und Seelen schon seit Langem verspüren
Verbreite die Botschaft der Flammen
Schrei sie heraus und lass sie die Welt erobern und verwandeln!
Verbreite die Macht des Funkens und lass die Menschheit auflodern!
Und vergiss niemals, diesen Funken in deinem Herzen  zu tragen und zu bewahren
Ganz gleich, wohin dich die mysteriösen Wege des Lebens hintragen,
zu welchen magischen Orten und Möglichkeiten sie dich führen werden

 

 

Empty words

Ich schreibe und schreibe
Leere Zeilen
Ein bedeutungsloses Gedicht
Wo stumme Tränen über mein Gesicht laufen
Könnte ich ewig rennen über einen grauen Weg aus unendlichen Meilen
Verliere mich in den Zeilen und vergesse ganz das Ziel dieser Reise
Keiner wird mich finden, ich kann noch so laut schreien
Wer kann schon erkennen, was ich nie jemandem offenbaren könnte?
Was kann ich schon mit belanglosen Worten ausdrücken?
Worte, egal wie machtvoll, elegant oder poetisch, können nicht ausdrücken,
wie es ist, nur zu wissen, nur zu fühlen, jedoch nie zu begreifen
Bloß zerrissen zu werden, ohne die Macht zu erkennen,
die an meinem zersplitterten Selbst zerrt

Worte haben nicht die Macht jemandem, der vor mir steht,
zu zeigen, wer ich wirklich bin
Ebenso wie meine Seele sich nur durch meine Augen mitteilen kann,
wenn man sich Zeit nimmt, in diese zu schauen
Dass ich suche, dass ich flehe, dass ich mich sehne, jedoch nicht wonach
Denn nicht einmal ich weiß es – nie werde ich es jemandem
wahrhaftig verständlich machen können
Kann nur erahnen, wohin mich dieser Weg führen soll
So sind meine Worte nur zu begreifen, wenn man hinter sie blick


INTERFACE

Ist Illusion ein schützender Kokon,
der vor den Stürmen und Gefahren dieser Existenz beschützt?
Eine Insel, auf der man vor Verrat und Schmerz sicher ist?
Oder doch gar nur die lächelnde Maske, hinter der sich ein stummer Aufschrei,
gedämpft von Tränen, verbirgt?
Vermag diese unsichtbare Wand zu beherbergen oder sperrt sie den Geist ein?

Kann der Traum von der Fata Morgana bestehen?
Das Paradies ist kein Ort, an dem alles vollkommen ist
Es ist ein Ort, an dem es keine Bedeutung hat, dass weder ich noch die Welt es sind
Doch wie bloß kann ich dorthin gelangen?
Wie mit meinem Geist endlich ankommen?
Diese endlose Suche ohne Ziel, der Weg bis zum Horizont ist so entsetzlich ermüdend

Ich könnte eine Bibliothek vollschreiben mit Texten,
die ohnehin keiner verstehen würde
Außer er wüsste, wie es ist sich zu verlieren, eine Existenz lang nur zu laufen,
ob zu fliehen oder zu suchen ohne anzukommen
Wie ermüdend es ist, kein Ziel zu haben
Doch für denjenigen müsste ich es nicht aufschreiben

Es ist faszinierend, wie direkt und zugleich indirekt Poesie doch ist
Wenige Zeilen öffnen das Herz zur Seele eines Menschen
Und doch kann sie nie in ihrer Gänze abgebildet werden,
kann ihr Wesen nicht in Worte gezwängt werden
Und kann man trotz unendlich vieler Interpretationsmöglichkeiten niemals genau verstehen, was der Schöpfer aussagen möchte, die wahre Bedeutung nur erahnen
Die allwissende Sicht bleibt verwehrt,
der Blick hinter die Kulissen bestenfalls verschleiert
Denn niemand kennt meine (unsere) Geschichte
Ich kenne sie selber kaum, Erinnerungen lang verflogen
Doch sie ist für den Rest der Zeit ein Teil von mir, mein stummer Begleiter
Der Einzige, der mir nie von der Seite weichen wird
Nur sie liegt so tief in mir begraben, dass keine Gedanken,
keine Worte an sie heranreichen können

Wenn Leute sagen, jemand der einen liebt, wahrhaftig liebt,
könne die Welt um einen verändern,
Haben sie nie geliebt, nur in einer scheinbaren Illusion der Liebe gelebt
Zu lieben und geliebt zu werden heißt nicht, dass die Welt plötzlich transformiert wird, eine andere wird, dass sie erhellt wird durch die Präsenz des anderen
Nein! Was mit der Welt ist, hat für wahre Liebe keine Bedeutung
All das Dunkel in der Welt verliert seinen Sinn, seinen finsteren Glanz mit einem Mal
Aus der Liebe erwächst eine ungeheure Kraft, die das Böse hemmt
Mit einem Mal scheint es, man könnte es mit allen Kreaturen der Finsternis aufnehmen und jeglichen Hass auslöschen
Mit Liebe entfällt das einander verstehen
Denn man spürt und begreift intuitiv durch die Verbindung der Seelen
Mit Liebe im Herzen, wächst unsere Persönlichkeit über das hinaus,
was wir für möglich hielten

Du bist der Grund, wieso ich das Fliegen erlernen möchte
und meine Seele so weiträumig machen will,
Dass du dich in mir vergraben könntest, damit kein Übel der Welt
dir mehr etwas anhaben könnte

Liebe verbindet Menschen und überwindet Abgründe,
die scheinbar nie vereint werden könnten
Vielleicht lässt sich mit einem Wort beschreiben,
was tausende nicht auszudrücken vermögen
Vielleicht fasst nur ein Wort, was wir brauchen, um zu begreifen

Liebe

Ein Wort, das nie leer sein kann und seine Bedeutung nie verliert
Zwei Herzen, die sich immer erkennen und finden werden,
Welche Abgründe auch immer sich zwischen uns zu stellen wagen

 

   Let yourself live

 

Let the sun shine from your eyes
Let the wind be your breath
Let crystal clear water purify you
And the wings of an angel
May guide you to the moon

Let thunder be your heartbeat
Let flames pulse through your bloodstream
Let freedom be your biggest dream
And your strongest desire
May set the world on fire

Let imagination be your wings
Let the whispering of leaves be your inspiration
And hope your motivation
Let your lips be a source of unspoken truth
And don’t listen to their distasteful lies
Let art express your soul
And your dance show your deepest yearning

Let running be an act of freedom
Not unrest
Let love be your sweetest drug
Not the force that’s tearing you apart…

Träume

Ich sitze am Fenster und starre ganz gedankenverloren hinaus.
Meine Augen sind schwer geworden von all dem, was sie gesehen haben und weil sie nicht zu sehen bekamen, wonach sie suchten.
Die letzte Röte des Sonnenunterganges wechselt über in ein rauchiges Licht und bald darauf schon in eine samtig schwarze Weite,  die nur vom Licht des Vollmondes erhellt wird, der wie eine kostbar schimmernde Perle am Himmel hängt.
Träge zeichne ich mit einem Finger die Linie nach, die ich für den Horizont halte. Was sich dahinter wohl verbirgt? Dort draußen liegt eine Welt aus Schatten und Sehnsüchten, unerreichbarer Freiheit und Träumen. So verlockend und gleichzeitig gefährlich.
Wo bleibe ich bei all dem? Werde ich immer in diesem dunklen Zimmer sitzen bleiben, mit meiner Stirn an dieser unsichtbaren Barriere? Wo wäre ich jetzt wohl, wenn es all die Verpflichtungen und die unsichtbaren Ketten nicht gäbe? Was will ich dort draußen überhaupt? Wie kann es sein, dass mich ferne Orte anziehen, die ich nie gesehen habe  und welche nicht einmal einen Namen tragen? Warum jagen mich Versprechen, die ich nie gegeben zu haben schien  und warum verspüre ich dieses süße und zugleich schmerzliche Ziehen in meiner Brust, dass mich hinfort zuziehen droht… ja, wohin nur?
Wie absurd das alles ist. Mit einem traurigen Lächeln schüttle ich leicht den Kopf.
Da erscheint mir ja der Mond näher an mir zu sein.  So groß hängt er hoch über mir und spendet mir sein tröstendes Licht, das ihm nicht einmal gehört. So wie mir mein Leben nicht mehr zu gehören scheint.
Wie trügerisch Entfernungen doch sind. Ich könnte schwören, dass ich ihn berühren könnte, wenn ich nur meine Hand nach dem Mond ausstrecken würde. Auch wenn ich weiß, wie naiv und kindisch es ist, tue ich es dennoch, nur um zum wiederholten Male feststellen zu müssen, wie klein ich doch angesichts des Universums bin und wie begrenzt meine Möglichkeiten sind. Natürlich habe ich nicht die Mittel, um den Himmel zu berühren.
Doch sind meine Träume so real und fordernd, dass man meinen könnte, sie wären stark genug, um mir Flügel wachsen lassen zu können. Wieso verlangt der Mensch immerzu nach dem Unmöglichen?  Warum gibt es bloß nichts Verlockenderes, als die Vorstellung  von den tollkühnsten Möglichkeiten?  Wieso nur wurden dem Menschen Träume gegeben, wenn es so sinnlos erscheint, ihnen hinterherjagen zu wollen? Und weshalb geistern so viele Gedanken durch meinen Kopf,  dass er sich bereits zu drehen beginnt?

Der Himmel ist ganz klar und das Mondlicht sanft und wegweisend,  wie ein fernes Licht, das einen in dunklen Zeiten leitet. Ganz im Gegensatz zu meinem Innern, wo Chaos herrscht. Meine Wünsche kämpfen unerbittlich gegen die Moral an, Schatten ziehen über das lodernde Feuer der Entschlossenheit hinweg und versuchen es zu ersticken. Bin ich wirklich bereit loszulassen und den Preis dafür zu zahlen?
W
enn ich ein Vogel wäre, würde mich nichts mehr hier halten können. Doch der Mensch ist kein anmutiges Geschöpf des Himmels. Wer weiß, ob Flügel die Schwere seines Herzens würden tragen können,  wenn er denn welche hätte.
Kaum wahrnehmbar seufze ich. Auch wenn die Melancholie manchmal droht mich zu übermannen, liebe ich diese Tageszeit,  wenn sich ein mystischer Schleier über die Welt legt und alles in ungesehenem Glanz erstrahlt. Sobald die Menschen, die sie wie Parasiten bevölkern, sich zur Ruhe begeben, kann die Erde ihr wahres Gesicht offenbaren. Wenn all die Hektik und der Lärm erstirbt, wirkt sie noch wunderbarer und größer, und der Horizont erscheint nicht mehr wie ein ferner Traum. Das ist die Zeit, wenn dein Herz sich öffnet für Wunder und die Macht des Möglichen. Was bedeutet schon Machbarkeit,
was sind da Grenzen,
wenn ein Wunsch so hell in dir lodert, dass er alles verbrennt,
was sich seiner Erfüllung in den Weg stellt?
Gäbe es nicht die Begrenzung der Nacht,
wäre alles möglich, daran glaube ich ganz fest.

Mit einem Mal habe ich genug davon nur herumzusitzen. Mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck stehe ich auf. Wieso sollte es Wunder nur in der Ferne, außerhalb meiner Reichweite geben?
Leise, damit niemand etwas von dem Ausbruch aus meinem Käfig und ja, sogar aus der Realität, mitbekommt, öffne ich das Fenster und klettere geschickt hinaus auf die Fensterbank. Ich bleibe noch einen Augenblick sitzen, als wäre ich nur eine Katze und was ich hier tue, vollkommen alltäglich.
Unser Haus liegt etwas abseits von der nächsten Siedlung, sodass nur weites flaches Land mit der Andeutung von Bergen in der Ferne vor mir liegt. Etwa zehn Meter von meinem Fenster aus, befindet sich ein Strommast dessen Kabel dem Horizont entgegenlaufen, wie ein schier endloser vom Monde beschienener Weg zu einem Land,  in dem alle Träume Wirklichkeit werden könnten.
Ich denke nicht einmal daran, zurück zu blicken und lasse bereitwillig das in Dunkelheit gehüllte Zimmer und Leben hinter mir zurück. Ein Atemzug entweicht zitternd meinen Lungen, sagt  „Auf Wiedersehen“, so wie ich es tue.
Nur werde ich nicht zurückkehren.
Dann schließe ich endgültig die Augen, werde eins mit der Nacht und tanze über den Abgrund hinweg, wobei ich mich von einer nur für mich hörbaren Melodie leiten lasse.
W
ie ein flüchtiger, nicht ganz greifbarer Gedanke schwebe ich hinüber zu den Stromleitungen, die mich tragen, als wäre ich gar nicht mehr da. Doch nie hat sich etwas realer angefühlt als der Windhauch, der über meine Haut streicht, nie war das Drängen in meinem Herzen so intensiv gewesen. Da liegt sie vor mir, die Freiheit. Endlich.
Der Mond, mein einziger Zeuge, scheint noch näher zu sein, als zuvor und ich kann die Geheimnisse, die hinter dem Horizont liegen, mich schon förmlich zu sich rufen hören.
Ich beginne über diese Leitungen, die wohl eher Wünsche in sich tragen müssen als Strom, zu laufen, fühle mich freier als jemals zuvor und komme meinen Träumen mit jedem leichtfüßigen Schritt näher… 

Auf einmal höre ich einen Knall und dann folgt Stille.
Irritiert hebe ich den Kopf ein wenig von meinen Armen an und versuche mich von diesem überwältigenden Gefühl der Leichtigkeit und den letzten Bildern, die schon zu verschwimmen beginnen, zu lösen.
Eher widerwillig bemühe ich mich darum, mich zu recht zu finden und zu begreifen,
was geschehen war.
Vor mir spüre ich eine zornige Präsenz, der ich fürs Erste auszuweichen gedenke. Stattdessen blicke ich zur Seite und sehe die Gesichter meiner Mitschüler. In einigen steht Mitgefühl, andere dagegen sind selber kurz davor einzuschlafen oder dabei abwesend etwas auf ihren Tisch zu kritzeln.
„Verdammt, schon wieder eingepennt“, denke ich und bemühe mich, dabei die Augen nicht zu verdrehen. Es hat eh keinen Sinn.
Mit einem Seufzer drehe ich mich wieder nach vorne und ergebe mich widerwillig meinem Schicksal.
Doch das leichte Lächeln auf meinen Lippen verschwindet nicht einmal beim Anblick des Lehrers, der sich mit verschränkten Armen vor mir aufgebaut hat und mich mit vor Wut blitzenden Augen anstarrt.
Meine Träume kann mir schließlich keiner nehmen und wer weiß, vielleicht werden sie tatsächlich irgendwann einmal wahr werden.  Der Horizont ist nicht weiter entfernt, als zuvor in meinem Traum, das spüre ich. Und wer weiß, vielleicht werde ich ja irgendwann einmal wirklich meinen mondbeschienenen Weg in die Freiheit finden. 

 

 

 Auszug aus „Diary of a poet“ von Skye Silva

© Skye Silva, 2017

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